Motorradtour - Sizilien mit Italiendurchquerung 2003

Reisebericht

Wer war dabei?

1. Tag: 13.09.03, Individuelle Anreise zum gemeinsamen Startpunkt München

Andreas, Markus u. Ecke reisen gemeinsam aus Dresden an und treffen gegen 16.00 Uhr bei Nadja und Hagen ein. Frank reist aus Stuttgart über die A8 an und trifft nach ca. zweistündiger Fahrt gegen 14.00 Uhr in München ein. Die Motorräder werden in der Garage geparkt und harren der Dinge die kommen werden. Nach einem opulenten Mal (nochmals vielen Dank an Nadja und Hagen an dieser Stelle) schauen wir uns den Film "Lammbock" an - einfach super. Gegen 23.00 Uhr liegen dann auch alle in ihren Schlafsäcken.

2. Tag: 14.09.03, München - Pfunds (Österreich), 253km

Frühstückstafel

Nach einem ausgiebigen Frühstück werden um 10.00 Uhr unsere Motoren in München angelassen.

Start

Die Reihenfolge Frank, Markus, Andreas, Ecke bleibt bis auf wenige Ausnahmen während der gesamten Tour bestehen. Während der Formationsflug anfangs sehr hemdsärmlich aussah, hat er sich doch im Verlauf der Tour immer besser dargestellt und auf der Schlußetappe des Urlaubs sehr professionell ausgesehen.
Die Strecke führte über Füssen, das Bschlaber Tal auf das Hahntenn-Joch und weiter nach Pfunds. Der herrlich gelegene Zeltplatz inmitten von Silvrettagruppe und Ötztaler Alpen auf etwa 1000m H.ü.M. entsprach unseren Vorstellungen auch in preislicher Hinsicht. Summa summarum waren 26,40€ fällig, die zunächst von Markus beglichen wurden.
Was die gemeinsamen Kosten anging, hatten wir uns auf ein, im Nachhinein betrachtet, sehr robustes Konzept verständigt. Dieses sah vor, daß alle Ausgaben erfasst werden und am Ende durch vier geteilt werden sollten. Das führte am Ende des Urlaubs zu 258,18 € pro Person für Verpflegung und Camping. Hinzuzurechnen sind nun noch die 177€ für die Überfahrt (inkl. Rücktrittsversicherung) von Livorno nach Palermo und die Benzinkosten zwischen 250€ und 350€. Dies alles zusammengenommen ergibt einen Wert von ca. 735€ pro Person für den Urlaub.

Die Etappe von München nach Pfunds war landschaftlich sehr reizvoll. Mittag machten wir im Schwangau am Fuße der Königsschlösser.

See Neuschwanstein

Während die Strecke anfangs noch sehr wolkenverhangen war und wir eigentlich mit Regen rechneten, wurde es am Nachmittag in den Alpen doch noch schön sonnig.
Insbesondere die Strecke zum Hahntenn-Joch war mit Motorradfahrern übersät. Wen wunderts, es war schließlich ein bombiger Sonntag Nachmittag. Auf der Strecke gab es dann den ersten Zwischenfall, einen von ganz wenigen, auf dieser Tour. Kurz nach dem Joch gab es einen Verbremser des Gegenverkehrs. Ein Kawasaki-Fahrer mit Sozius unterschätze eine aufsteigende Rechtskehre und rutsche schließlich ca. einen halben Meter vor Frank's Vorderrad vorbei. Bis auf einen kleinen Schreck ist aber nichts passiert.
Neben den Motorradfahrern bevölkerten auch einige Kühe die Straßen hinauf zum Joch. Diese wurden von uns aber links oder rechts stehen und nicht liegen gelassen. Ecke's Kommentar zum zugegebenermaßen sehr offensiven Fahrstil von Frank und Markus, "Wenn Du so weiterfährst, dann wirst Du noch mal im Arsch der Kuh stecken".

Den ersten und Gott sei Dank sehr glimpflichen sowie auch einzigen Sturz der Tour fabrizierte Andreas, dessen nagelneuer Hinterradreifen in einer rechten Spitzkehre bergauf einfach seinen Dienst verweigerte. Bis auf ein paar Kratzer an Sturzbügel, Koffer, Handprotektor sowie Motorradhose ist jedoch nichts passiert - alles halb so wild und nach kurzem Spiegel richten und Kofferhalterung befestigen gings weiter.

Nachdem die Motorräder schließlich gegen 16.45 Uhr geparkt wurden, die Zelte, jeweils von den "Pärchen" Ecke/Andreas sowie Markus/Frank aufgebaut waren, ließen wir den, nach Sonnenuntergang recht kühlen, Abend mit einer Brotzeit ausklingen.

Campingplatz

Die Duschen funktionierten mit den Marken sehr gut. Doch darüber machten wir uns noch keine Gedanken. Was wir noch nicht ahnten, war die Tatsache, daß warmes Duschwasser eher die Ausnahme bleiben sollte. Wir sind zwar keine Warmduscher im sprichwörtlichen Sinne, mussten aber später wohl oder übel auch mit kaltem Wasser vorlieb nehmen. Dennoch war nach ca. 7-10h Motorradfahren eine warme Dusche ein Luxus, für den wir gern auch etwas mehr gezahlt hätten.

3. Tag: 15.09.03, Pfunds - Idrosee (Nähe von Anfo), 307km

Die erste Nacht im Zelt war doch recht kalt - kälter als erwartet. Nachdem Frank's Uhr um 7.30Uhr lärmte, benötigten wir für das allmorgendlichen Prozedere recht lange. Dies war nicht nur auf eine angeheiterte Diskussion um Pheromone, sondern vor allem auf die niedrigen Temperaturen zurückzuführen. Es waren etwa 3°C während der Nacht, so daß unsere Körper einfach ein wenig länger brauchten, um Betriebstemperatur zu erreichen. Eckes Kommentar dazu: "Welcher Depp ist auf die Idee gekommen, im September in den Urlaub zu fahren!". Das Ganze aber mit einem Grinsen auf den Lippen, wohl wissend, daß auch er die Idee mitgeboren hatte.
Nach der Beschaffung des Proviantes in einem nahen Supermarkt gings dann gegen 11.15Uhr los. Die Strecke führte über den Reschenpaß, das Stilfser-Joch, den Croce-Dominii-Paß und Edolo schließlich an die westliche Seite des Idrosees in Höhe von Anfo.

Stilfser Joch Stilfer Joch

Nachdem wir den Zeltplatz direkt am See gelegen gegen 18.50Uhr erreichten, begannen wir sofort mit dem Zeltaufbau, um diesen mit Einbruch der Dunkelheit abgeschlossen zu haben. Der Zeltplatz selbst war wieder von sehr hoher Qualität und die 28.50€ hielten sich ebenfalls im Rahmen. Die zurückgelegte Etappe war sowohl vom fahren, als auch hinsichtlich der Landschaft spitze, wenngleich es erneut einige brenzlige Situationen gab.

KartenwechselpauseDer Tiger auf einer Alpenstraße (sonnig und kurvig)

Auf der SS38 in der Nähe von Oris, im herrlich gelegenen Etschtal, ist Frank beinahe auf den stehenden Verkehr gekracht, weil er nach einem "Verfahrer" , den richtigen Weg auf der Karte gesucht hat. Glücklicherweise ist er links ohne Berührung am stehenden Verkehr vorbei, ohne auf Gegenverkehr zu treffen - Schwein gehabt. Auf der SS42, die zwischen Edolo und Breno sehr kurvenreich ist, ist Frank in der Annahme die Straße führe geradeaus links ausgeschert, um einen Kleinlaster zu überholen. Was er gesehen hat, war jedoch ein Abzweig, die SS42 machte in Wahrheit einen scharfen Rechtsknick. Der entgegenkommende Motorradfahrer und er sind sich dann aber noch weidlich aus dem Weg gefahren, so daß es bei einer Schrecksekunde blieb. Auch Markus hätte am Croce-Dominii-Paß beinahe einen LKW "geküßt". Eine Felswand zur linken ,eine Mauer zu rechten oder der LKW in der Mitte, hätten dem Treiben beinahe ein jähes Ende versetzt. Aber auch hier war der Schutzengel, der von jedem Motorradfahrer trainiert wird, schnell genug unterwegs, so daß nichts passiert ist.
Unsere wohlverdiente Brotzeit haben wir am Stilfser-Joch bei herrlichem Sonnenschein inmitten von Liftanlagen auf einer Höhe von knapp 2800m genossen. Es waren augenscheinlich viele GS von BMW unterwegs, so daß die Maschinen von Andreas, Ecke und Markus in dieser Höhe eher zu den vom Aussterben bedrohten Arten zu zählen waren.
Am Abend trafen wir beim Camping noch ein paar Motorradfahrer aus dem Süddeutschen Raum, wobei vor allem die handmade Triumph auf reges Interesse bei Andreas stieß. Neben Auffälligkeiten die Optik betreffend, war insbesondere der Motor einer, der von den Triumph-Konstrukteuren nicht für dieses Mopped bestimmt war, sondern für eine Sprint ST. Das der TÜV nicht Ja und Amen dazu gesagt hat, interessierte den netten Zeitgenossen relativ wenig. Wir können ihm und der Rahmenkonstruktion der Tiger an dieser Stelle nur allzeit gute Fahrt wünschen.
Nachdem dem Fachsimpeln ging es dann schnurstracks Richtung Pizzeria. Die Pizzas oder Pizzen, wie immer man möchte, waren sehr lecker und wir zahlten 41.00€ für alles.

4. Tag: 16.09.03, Idrosee (Nähe von Anfo) - Arcola, 345km

Nach dem allmorgendlichen tönen von Frank's Wecker um 7.30Uhr gingen wir an diesem Morgen die ganze Sache ein wenig zügiger an. Der Grund lag primär in der, wie wir annahmen, öden Etappe die uns über Brescia, Cremona und Fidenza bis mindestens nach La Spezia an die ital. Riviera führen sollte. Den eisernen Willen das Mittelmeer zu erreichen, starteten wir bei herrlichem Sonnenschein um 9.54Uhr vom Campingplatz am Idrosee. Unser Weg führte letztlich durch die Po-Ebene über die Ausläufer des Apennin bis nach Arcola, südlich von La Spezia. Dabei gestaltete sich die Strecke ab Fidenza bis nach La Spezia als sehr attraktiv vom fahrerischen Standpunkt aus betrachtet. Insbesondere die Cento-Croci-Passstraße war ein echtes Highlight der Etappe.
In der Po-Ebene ist Frank beim Studium der Karte versehentlich vom rechten Weg abgekommen. Das Ganze war aber völlig unkritisch: Anstatt der Straße nach links zu folgen, hat er sich für die geradeaus führende Staubpiste entschieden - Andreas ist ihm brav gefolgt.
Unsere Mittagspause machten wir vor einem Coop kurz nach Cremona. Dabei huschten wir noch kurz vor der Siesta in den Supermarkt. Das uns die Siesta später noch des öfteren einen Strich durch die Rechnung machen sollte, ahnten wir noch nicht. Der Gedanke, daß Mittagsruhe zwischen ca. 13.00 u. 16.00 Uhr herrscht, war für uns sehr gewöhnungsbedürftig, insbesondere vor dem Hintergrund, daß nicht grundsätzlich die hohen Temperaturen ursächlich sein können. Wie bei jeder Regel, gab es aber auch hier sehr angenehme Ausnahmen in allen Landesteilen Italiens.
Vor dem Coop ist das Motorrad von Markus erstmals an diesem Tage umgekippt, undzwar auf die rechte Seite - nichts passiert, alles OK. Wenige Stunden später während einer Pipi-Pause geschah es dann nochmal. Diesmal kippte das Motorrad nach links. Das Motorrad an einer leicht abschüssigen Stelle auf dem Seitenständer geparkt, ohne den Gang einzulegen - schon hat sich das Gerät selbständig gemacht. Das sah wieder sehr harmlos aus und eine geistreiche Bemerkung ließ nicht lange auf sich warten. Dennoch wurde es fast schlagartig still, denn der Kupplungshebel war gebrochen und ohne den geht bekanntlich gar nichts. Ecke, das alte Schlitzohr, hatte aber auch hierfür vorgesorgt. Er zauberte einen stinknormalen Ersatzhebel hervor, der dann sogleich montiert wurde. Und siehe da, es funktionierte. Anstatt Frank beim heizen im Heck zu kleben, machte Markus, verständlicherweise, bis auf weiteres, mit einem behutsameren Fahrstil von sich reden. Statt dessen hatte Ecke dann diesen Part auf der Etappe übernommen.
Wir blieben von weiteren Zwischenfällen an diesem Tage verschont, lediglich der Anhänger eines Brummis lag plötzlich quer auf der Passstraße vor unseren Augen. Der Lkw war mit seiner Ladung Wasserflaschen wohl ins Schleudern geraten und der Anhänger letztlich umgekippt. Dem Fahrer war das Entsetzen noch ins Gesicht geschrieben und nach dem ansonsten alles ok zu sein schien, düsten wir weiter gen Mittelmeer.
Auf dem Campingplatz in der Nähe von Arcola kamen wir gegen 19.00Uhr an. Wir waren neben den Betreibern, die einzigen Menschen auf diesem Fleckchen Erde. Der Platz hatte zwar einen Pool, den Ecke und Andreas sogleich testeten, dafür funktionierten die Warmwasserduschen trotz Marken nicht. Vor diesem Hintergrund erschienen uns die zu löhnenden 44€ völlig überteuert. Egal, dachten wir uns, und nach dem leckeren Abendessen war die Welt wieder in Ordnung. Apropos, nach alter Tradition gab es in diesem Urlaub erstmalig Nudeln mit Tomatensoße. Daß Andreas nur einen Topf dabei hatte, war zu verschmerzen und stellte kein wirkliches Hindernis dar. Zuerst wurden darin die Nudeln zubereitet und anschließend die Tomatensoße, wobei der Gierschlund Ecke fortan den Topf für sich beanspruchte, um daraus zu speisen.

5.Tag: 17.09.03, Arcola - Livorno, 130km

An diesem erneut wunderschönen Morgen starten wir gegen 10Uhr und setzten anschließend zügig unseren Plan um, im Mittelmeer zu baden. Wir taten dies in der Nähe von Marinella di Sarzana. Bombiges Wetter, klares Wasser und ein netter Strand - was will man mehr, die Antwort darauf gaben wir nach etwa 2h baden, indem wir unsere sieben Sachen packten und Richtung Pisa abdüsten. Insgesamt bleibt festzustellen, daß der Küstenstreifen zwischen La Spezia und Livorno einen schicken Eindruck macht und auf alle Fälle wieder eine Reise wert wäre, sofern man auf urbane Strandgefilde wert legt.
In Pisa haben wir dann grüppchenweise den Piazza dei Miracoli mit seiner Haupattraktion dem schiefen Turm besichtigt. Das ganze verlief relativ kurz und knackig, nicht zuletzt deshalb, weil für alle Bauten saftige Eintrittsgelder zu berappen waren. Nach etwa einstündigem Aufenthalt gings dann weiter Richtung Livorno, wobei sich Markus in den Kopf gesetzt hatte, zuvor einen Suzi-Händler in Pisa zu finden, um endlich wieder ein Original als Kupplungshebel am Mopped zu haben. Die Sache haben wir dann nach etwa einer Stunde vergeblicher Suche wieder abgebrochen. Auf dem Hafengelände landeten wir gegen 18.00Uhr, wobei wir anfangs am Terminal Richtung Afrika standen - nicht ganz unsere Richtung (noch nicht). Ein ital. Schönheit begrüßte uns am Schalter herzlich mit Buona Sera und erklärte uns, wo wir eigentlich hin müssen. Gesagt, getan; zuvor noch kurz beim Honda-Händler wegen eines Kupplungshebels nachgefragt - Fehlanzeige. Gegen 19.00Uhr waren unsere Dickschiffe im Bauch eines noch viel größeren verstaut und wir begaben uns in unsere Kabine. Nachdem duschen genossen wir auf dem Schiffsdeck unser opulentes Abendpicknick an einem organisierten Tisch. Das Schiff sollte eigentlich um 21.00Uhr ablegen, letztlich taten wir das dann um 22.00Uhr, irgendwie hat uns das nicht gewundert. Kurze Zeit später verschwanden wir in der 4-Mann-Kabine (ca. 8m2) und schliefen trotz deutlich spürbarer Vibrationen rasch ein.

6.Tag: 18.09.03, Livorno-Palermo, Schiffsfahrt

An diesem Morgen meldete sich der Wecker erst um 8.30Uhr. Der Himmel war etwas bewölkt, die Temperaturen aber sehr mild. Wir frühstückten dann um 9.00Uhr wieder an Deck. Unsere Brotreserven waren sehr begrenzt, so daß wir beschlossen: Ein Baguette muß reichen. Dieser Beschluß war kurze Zeit später bereits Makulatur. Ecke, der Gierschlund, hatte nämlich ¾ des Brotes kurzerhand halbiert. Egal, wir hatten dann zu Mittag ein wenig im Schiffsrestaurant, das tat es auch. Das Schiff hatte anscheinend nicht sonderlich viele Passagiere, da es an Deck und im Restaurant doch recht übersichtlich zuging. Die Zeit vertrieben wir uns mit dumm schwätzen, was uns nicht sonderlich schwer viel, lesen oder Karten spielen.
Gegen 15.25 Uhr sichteten wir Steuerbord land. Eigentlich sollten wir um diese Zeit schon längst in Palermo sein, aber na ja, auch das hat nicht so ganz hingehauen. Da die Geschwindigkeit des Schiffes letztlich doch bei ca. 20Knoten lag, erreichten wir Palermo gegen 17.00Uhr.
Da vor dem Verkehr (Straßenverkehr) in Palermo im Reiseführer ausdrücklich gewarnt wurde, beschlossen wir, entlang der Küstenstraße Richtung Norden zu fahren und uns den nächst besten Campingplatz zu suchen. Gesagt, getan. An der Straße haben wir noch einen Alimentari entdeckt und geschwind unsere Vorräte aufgefüllt. Wir hielten es während des gesamten Urlaubs so, daß stets zwei bei den Motorrädern blieben und die beiden anderen sich um den Einkauf kümmerten. Das hat wunderbar funktioniert und uns wurde nichts geklaut und wir hatten auch niemals das Gefühl, beschissen zu werden.
Die Zeltplatzsuche gestaltete sich sehr viel schwieriger als ursprünglich gedacht, da es keinerlei Hinweisschilder gab. Als wir schließlich die örtliche Polizei um Rat fragten, wurden wir flugs zu einem Campingplatz geleitet. Hervorzuheben ist, daß die Italiener i.a. sehr freundlich und hilfsbereit waren, wir haben ausschließlich sehr gute Erfahrungen gemacht.
Von der Polizei geleitet blieb dann mal Zeit die Mädels auf ihren Vespas anzuschauen - eine Pracht. Die verschiedenen "Einschläge" im Verlaufe der Geschichte habe hier wunderbare Spuren hinterlassen.
Auf dem Campingplatz in der Nähe von Mondello sind wir dann kurz vor 19.00Uhr angekommen. Wir haben noch schnell die Zelte aufgebaut und Andreas, Ecke und Frank sind bei Sonnenuntergang im Meer schwimmen gegangen - spitze.
Die Duschen waren zwar kalt, aber die Nudeln waren warm und das war wichtig. Auf dem Zeltplatz trafen wir dann noch einen Deutschen aus Stendal. Der war sehr nett und machte mutmaßlich einen auf Florida-Rolf. Er meinte, es hätte in den vergangenen zwei Wochen ziemlich oft geregnet, was sehr untypisch für diese Jahreszeit wäre. Wir nahmen das hin, hofften aber insgeheim, daß sich dies mit unserer Ankunft ändern würde. Erst am nächsten Morgen sollte sich für uns erschließen, daß die über den Zelten gespannten Planen auch noch etwas anderes als Schattenspender sein können.

7.Tag: 19.09.03, Mondello - Porto Empedocle, 220km

An diesem Morgen wurden wir schon zwischen fünf u. sechs Uhr von heftigen Gewittern geweckt. Das es bei leichten Wassereinbrüchen blieb, war vor allem der bereits erwähnten Plane über unseren Zelten zu verdanken. Eckes Suzi machte einen nicht sonderlich stabilen Eindruck auf dem Hauptständer, so daß er sie im strömenden Regen umgeparkt hat. Schräg gegenüber war eine R1150 R aufgrund der starken Niederschläge schon vom Hauptständer gekippt. Ausgerechnet am vorhergehenden Abend hatten wir die Überzelte nur lax gespannt, da es hieß "Ach was, das regnet nicht!". Etwa gegen 8.00Uhr war dann das gröbste vorüber und wir beschlossen, zu frühstücken.
Aufgrund der "feuchten" Witterung nahmen wir vom ursprünglichen Plan abstand, die verwinkelten Bergstraßen zu fahren. Bereits das kurze kurvige Stück nach Palermo zeigte, daß die eine weise Entscheidung war. Obwohl unser Reiseführer eindringlich vor dem Stadtverkehr in Palermo gewarnt hat, mußten wir die Stadt doch zumindest tangieren. Wir blieben zwar von irgendwelchen Zwischenfällen verschont, aber schon die Ausfallstraßen herrschten für unseren Geschmack chaotische Verhältnisse, daher die Devise: Einfach mitschwimmen.
Von Palermo haben wir dann die SS121 und SS189 Richtung Agrigento gewählt. Während der Etappe gab es stellenweise feinen Nieselregen, dennoch stoppten wir nicht und waren so bereits kurz vor 12Uhr am Tagesziel. In Agrigento wollten wir das bekannte Valle dei Templi bei Nacht besichtigen. Leider war die Ausgrabungsstätte um 21.00Uhr bereits geschlossen, so daß wir uns mit Betrachtungen aus der Ferne begnügen mußten, die aber dennoch sehr imposant waren.
Agrigento selbst empfanden wir nicht als sonderlich ansehnlich. Einen Zeltplatz fanden wir an diesem ziemlich grauen Tag schließlich in Porto Empedocle. Den Zeltbau haben wir den evt. zu erwartenden Witterungsverhältnissen angepaßt und sind nach Inspektion der Sanitäranlagen (immerhin warmes Wasser) gegen 13.00Uhr zum Essen in die Stadt gedüst. Leider fing es erneut an zu regnen und auch die Suche nach einem Restaurant gestaltete sich aufgrund der Siesta unerwartet schwierig. Letztlich wurden wir dann in einer kleinen Trattoria und hatten sehr leckere penne pomodori. Der Spaß hat inkl. Trinkgeld 33€ gekostet und wir hatten nur noch den Einkauf für das Abendpicknick vor uns. Allerdings war nicht nur das Finden eines Supermercato schwieriger als gedacht, auch die Siesta verlangte ihren Tribut, sprich Geduld von uns. Der Laden öffnete schließlich wieder um 16.30Uhr und wir beschlossen, da das Wetter aufklarte, anschließend an den Strand zu gehen.
Der Weg dorthin war erneut sehr unansehnlich, nämlich ziemlich vermüllt. Ansonsten waren wir, abgesehen von ganz wenigen Spaziergängern, die einzigen am Strand, der dann doch wieder versöhnte. Praktisch nur einen Steinwurf entfernt stand allerdings, wie wir annahmen, eine Raffinerie. Das und die Tatsache, daß die Wama völlig versifft war, ließ uns den Plan ändern, länger als eine Nacht in der Nähe von Agrigento zu verweilen.

8.Tag: 20.09.03, Porto Empedocle - S. Croce Camerina, 135km

Es war wieder ein wunderschöner Morgen, der unmittelbar nach dem Frühstück allerdings erst einmal im Zeichen des Schraubens stand. Markus tauschte nämlich seinen Ersatzkupplungshebel durch ein Original, daß Andreas tags zuvor in Palermo bei einem Suzi-Händler eingesackt hatte. Bei Frank war die Glühlampe des Hauptscheinwerfers defekt, allerdings war Ersatz nicht zur Hand, so daß eine Änderung der Neigung des Scheinwerfers vorerst ausreichen mußte (das Fernlicht funktionierte ja noch).
Schließlich zogen wir um 10.30Uhr von dannen. Das Ziel war einer der nächsten Campingplätze an der Südküste. Wir wollten unbedingt einfach mal am Strand bei Sonne und blauem Meer ohne irgendwelche Industrielandschaften in der Nähe relaxen, wenngleich Ecke's Sonnenbrand, den er sich auf der Fähre zugezogen hatten, kaum abgeklungen war. Gesagt, getan. Nach etwa 130km und zuvor getätigten Einkäufen hatten wir ein nettes Fleckchen inkl. funktionstüchtiger Wama gefunden. Nach dem üppigen Mittagspicknick und dem Klamottenwaschen gings dann auch sofort zum Strand, der unmittelbar vor den Toren des Zeltplatzes war. Die Bucht war schön gelegen, das Wasser klar, der Strand weiß - alles spitze. So beschlossen wir, unseren einzigen Ruhetag hier zu verbringen. Weniger erfreulich war allerdings für Ecke die Tatsache, in einen Ölklumpen gelatscht zu sein. Wo auch immer der her kam, es hat einfach geklebt wie Sau. Das wenige Öl wieder loszuwerden war ein ziemlicher Akt und spätestens jetzt war uns auch klar, daß Flora und Fauna im Falle einer Tankerkatastrophe keine Chance haben.
Den Abend ließen wir, mal wieder, mit Rotwein und Nudeln mit Tomatensoße ausklingen. Allerdings ohne den schwarzen "Panther", der uns mittags noch Gesellschaft geleistet hatte.

9.Tag: 21.09.03, S. Croce Camerina, Ruhetag

Unser 9.Tag stand ganz im Zeichen des Relaxens. Nachdem ausgiebigen Frühstück machten sich Andreas und Markus auf, um die Gegend zu erkunden, Proviant zu besorgen (am Sonntag!) und für Frank's Scheinwerfer eine neue Glühlampe zu beschaffen. Ecke und Frank beschlossen, zunächst den Schatten dem Strand vorzuziehen. Die Zeit verging und Markus und Andreas waren gegen 14.30Uhr wieder zurück; ohne Proviant und Glühlampe, allerdings mit vollen Bäuchen und breitem Grinsen im Gesicht. Beides hatte unmittelbar etwas miteinander zu tun. Bei Onkel Donald haben die beiden Kavaliere mal wieder Ihre Traumfrau getroffen. Ecke und Frank mußten sich hingegen an Brot und Käse "laben". Daher wurde kurzerhand der Beschluß gefaßt, am Abend essen zu fahren.
Nachdem schwimmen und sonnenbaden gings dann ab in die Stadt zum Abendschmaus. In der Stadt, die aufgrund eines kirchlichen Festes sehr schick geschmückt war, fanden wir dann sehr schnell eine Pizzeria. Irgendwie kamen wir auf das Thema Mafia zu sprechen, was Andreas nicht sonderlich gefiel, da Mafia im italienischen und im deutschen das Gleiche bedeutet. Ecke's Worte kurz danach: "Hey, habt ihr gesehen, der hat gegessen und nichts bezahlt". Die Pizzas waren sehr lecker und wir haben unsere 30€ bezahlt. Damit war der Abend dann auch gelaufen und wir machten uns auf den Heimweg.

10.Tag: 22.09.03, S. Croce Camerina - Ätna, 258km

Nach unserem Start um 9.45Uhr steuerten wir zunächst einen Alimentari an. Nachdem wir unsere Vorräte aufgefrischt hatten, gings schnurstracks Richtung Siracusa. Unsere ursprüngliche Tourenplanung wurde auf der SS115 kurz hinter Modica über den Haufen geworfen. Der Grund lag in einer Überschwemmung der Straße. Über die Ursachen konnten wir nur mutmaßen. Eine Möglichkeit wäre z.B., daß eine der Bewässerungsleitungen für den Wein geplatzt war. Uns hat es nicht sonderlich viel ausgemacht, da wir wieder mal Spitzenwetter hatten und gut im Zeitplan lagen.
Gegen 13.00Uhr erreichten wir Siracusa. An einem schattigen Plätzchen in einer Seitenstraße in der Nähe des Parco Archeologico machten wir sogleich Mittag, denn Andreas oder Ecke oder beiden knurrte schon wieder der Magen.
Anschließend besuchten wir die sogenannte Neapolis. In der Antike war dies das kulturelle Zentrum der Stadt. Auf dem Gelände finden sich zahlreiche antike Monumente, die wir wiederum grüppchenweise besichtigten. Während zunächst Frank und Ecke z.B. das einstmals größte Theater der Antike, das "Teatro Greco" auf dem Gelände besichtigten, wachten zunächst Markus und Andreas mit Argusaugen über die Motorräder und anschließend vice versa. Auf das Areal gelangten wir sehr viel günstiger als gedacht, da es an der Kasse kein Wechselgeld gab.
Gegen 16.00Uhr düsten wir uns dann gemeinsam Richtung Ätna, wobei wir einen Bogen um Catania machten. Obwohl wir die Peripherie benutzten, hatten wir ziemlich viel Verkehr. Nach einer ziemlich entspannten Tagestour erreichten wir den Zeltplatz am Fuße des Ätna gegen 18.45Uhr. Wir bauten auf dem sehr gut ausgestatteten Zeltplatz nach einem kleinen Schwätzchen mit Landsleuten unsere Quartiere auf, wobei Ecke und Andreas mal wieder schneller waren, was aber nicht bedeutet, daß Markus und Frank langsam waren. Wir zelteten auf schwarzem Sand, wobei wir interessanterweise nicht schmutzig wurden. Nach dem Abendessen (Nudeln mit Tomatensoße) gings ab in die Kneipe, die sich auf dem Zeltplatz befand. Ein paar Bier bzw. Ansichtskarten später zogen wir uns in die Schlafsäcke zurück und freuten uns auf die Besichtigung des Ätna.

11. Tag: 23.09.03, Ätna - Briatico (in der Nähe von Tropea), 280km

Der Morgen stand im Zeichen der Ätna-Besichtigungstour. Unmittelbar nach dem Frühstück machten wir uns Richtung Vulkan auf, ohne die Zelte abzubauen und in leichterer Montur als sonst.
Die ganze Landschaft war höchst beeindruckend, überall die riesigen Massen erstarrter Lava - einfach gigantisch. Nachdem parken der Motorräder wanderten wir ein wenig den Ätna hinauf. Die Tour mit den Geländewagen in höhere Gefilde erschien uns unverhältnismäßig teuer, immerhin 40€ pro Person wären dafür zu bezahlen gewesen. In Anbetracht der Tatsache, daß wir an diesem Tage noch etwa 300km vor uns hatten, düsten wir gegen 11.30Uhr Richtung Campingplatz, packten unsere sieben Sachen und waren kurze Zeit später Richtung Festland unterwegs.
An einem Supermarkt an der SS114 hatten wir dann unser opulentes Mittagsmahl und erstmals wieder ein deutsche "Zeitung" in der Hand - die Bildzeitung. Frisch gestärkt ging es dann nach etwa einer Stunde weiter. Aufgrund des wunderbaren Wetters und der famosen Küstenlandschaft entschlossen wir uns in der Nähe von Taormina nochmals schnell für einen Sprung ins erfrischende Ionische Meer. Reichliche 30 Minuten später fahren wir schon wieder auf den Moppeds.
Entlang der SS114 kurz vor Messina warteten am helllichten Nachmittag Damen am Straßenrand - wahrscheinlich aber nicht auf einen Bus, oder doch? Kurze Zeit später waren wir auf der Fähre Richtung Kalabrien unterwegs. Das Einschiffen verlief völlig reibungslos und zudem war die Überfahrt weit günstiger als erwartet. Letztlich zahlten wir zusammen 20€. Etwa 20 Minuten nach dem Ablegen rollten wir schon wieder in Villa San Giovanni von Bord. Um zügig vorwärts zu kommen, wählten wir die A3 Richtung Vibo Valentina. Die Autobahn war kostenfrei und in relativ gutem Zustand. Besonders schön war der Oleander auf dem Mittelstreifen, der aufgrund der klimatischen Bedingungen besonders gut gedeiht und dem der Autoverkehr offensichtlich nicht zu schaffen macht.
Nachdem wir am Golf von S. Eufemia zunächst auf einige bereits geschlossene Zeltplätze stießen, fanden wir mit der hereinbrechenden Dunkelheit gegen 20.30Uhr doch noch einen offenen. Erstmal hieß es: Zeltaufbau im Lichte der Motorradscheinwerfer. Wir waren wieder mal die Einzigen auf dem Gelände, lediglich ein paar streunende Hunde leisteten uns Gesellschaft. Der Zeltplatz selbst war von recht guter Qualität und auch der Preis von 27€ ging in Ordnung. Nach dem Duschen gab es - richtig - Nudeln mit Tomatensoße. Die Moppies beobachteten uns, ohne zu aufdringlich zu werden. Was wir noch nicht wußten, war, daß sie mit den Dingen der Zivilisation schon Spaß gehabt hatten.

12. Tag: 24.09.03, Briatico (in der Nähe von Tropea) - Sorrento, 430km

Wie gewöhnlich klingelte der Wecker um 7.30Uhr. Als Markus kurze Zeit später seine Brille nicht finden konnte, schauten wir alle danach - keine Spur. Schließlich entdeckte sie Markus neben seinem Zelt. Das Gestell war sichtlich angeknabbert und wir hatten sofort einen Verdacht. Einer der Hunde hatte wahrscheinlich mangels Alternativen, diese "besondere" Geschmacksrichtung probiert. Das Vorkommnis war zwar sehr ärgerlich, aber nun nicht mehr zu ändern. Mittlerweile zählten wir auch etwa sieben Hunde, die sich in unserer Nachbarschaft tummelten.
Nach dem Abrücken gegen 9.30 Uhr fuhren wir schnurstracks Richtung Autobahn, da eine der längsten Etappen des Urlaubs vor uns lag. Wir kamen zügig voran, wenngleich die sinnleeren Geschwindigkeitsbeschränkungen störten. Irgendwann ignorierten auch wir, wie die übrigen Verkehrsteilnehmer die 60km/h-Beschränkung auf der topfebenen, vierspurigen A3 Richtung Norden. Andreas war sogar so kühn, die Carabinieri zu überholen, die sich als einzige an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit hielten. Diese Manöver stieß bei uns auf Unverständnis und wurde dementsprechend artikuliert.
Vor einem Supermarkt mitten im landschaftlich äußerst reizvollen Kalabrien machten wir schließlich Rast, um unsere Vorräte aufzufüllen. Während Markus und Andreas einkaufen gingen, Ecke die Stellung hielt, machte sich Frank auf, einen neuen Hinterradreifen für seine BMW zu beschaffen - vergebens. Das Profil hatte sichtlich unter den Strapazen der bisherigen Tour gelitten und in der Reifenmitte war dieser fast so glatt wie ein Kinderpopo. Nachdem wir uns Richtung Amalfiküste wieder in Bewegung gesetzt hatten, stoppten wir nochmals bei diversen Motorradhändlern wegen des Hinterradreifens - komplette Fehlanzeige.
Die Amalfiküste, deren Ostzipfel wir schließlich gegen 16.00Uhr erreichten, ließ uns die doch recht anstrengende Autobahnstrecke schnell vergessen. Die 50 Kilometer lange Küstenstraße von Salerno nach Sorrento bot einfach einen grandiosen Blick hinauf aufs Meer, das etwa 200m tiefer brandete. Die Straße selbst bot darüber hinaus genügend Gelegenheit zum Kurvenwetzen, einfach genial.
Während eines kurzen Stopps beschlossen wir, am Abend in einem Restaurant endlich den allseits berühmten Schwertfisch zu genießen.
In der Nähe von Sorrento fanden wir schließlich einen schicken Zeltplatz. Nachdem Zeltaufbau und dem Duschen ging es dann gegen 20.00Uhr zu Fuß in die Stadt. Nach etwa 2km Marsch entlang einer Einkaufsstraße, die mondänes Mittelmeerflair suggerierte, fanden wir ein ansprechendes Restaurant und hatten endlich unseren Schwertfisch. Die mit Knoblauch angerichteten Grillstücke waren höchst lecker, sättigten aber trotz Vorspeise Ecke nicht. In einem Eiscafe wählte Frank aus 50 Sorten Eis drei Kugeln, um sich den Rückweg ein wenig zu versüßen. Nachdem wir gegen 23.00Uhr auf dem Zeltplatz zurück waren, hatte sich aber auch Eckes Appetit wieder gelegt, so daß wir uns dann schnell in die Schlafsäcke verkrochen.

13. Tag: 25.09.03, Sorrento - Vasto (nördlich von Termoli), 320km

Wir verließen den Zeltplatz gegen 10.15Uhr und steuerten Pompeji, die Stadt am Fuße des Vesuv an. Wie im Reiseführer beschrieben, mieden wir die Parkplätze in unmittelbarer Nachbarschaft der ehemals verschütteten Stadt aufgrund der horrenden Gebühren. Wir parkten ca. 10 Gehminuten vom Haupteingang entfernt am Straßenrand.
Zunächst machten sich Andreas und Markus auf zur Besichtigungstour, für die wir pro Pärchen 90 Minuten einkalkuliert hatten. Anschließend schauten sich Ecke und Frank die Ruinen der Stadt an, die 79 n.Chr. von einer bis zu 10m hohen Asche- und Lapillischicht begraben wurde, wobei Frank seinen Rundgang aufgrund von Magenproblemen vorzeitig abbrechen mußte. Nichtsdestotrotz war für uns die gesamte Anlage höchst beeindruckend, wobei wir insbesondere die Mannigfaltigkeit der erhaltenen Fresken bewunderten.
Wir verließen Pompeji schließlich gegen 16Uhr, wobei wir aufgrund einer Unaufmerksamkeit die richtige Ausfahrt aus der Stadt zunächst verpaßten und etwa eine Stunde umherirrten. Unser Ziel war Termoli, also die Adriaküste. Von Avellino nach Bennevento benutzten wir erstmals während des Urlaubs eine mautpflichtige Autobahnstrecke, um schneller vorwärts zu kommen. Für die ca. 30km löhnte jeder 1.10€. Dennoch tankten wir erst gegen 20.15Uhr bei stockdunkler Finsternis in der Nähe von Bennevento, von wo aus es immer noch ca. 130km über die SS88 / SS 647 bis nach Termoli waren. Zentralkampanien ist für den Tourismus nicht sonderlich interessant, so daß es kaum Zeltplätze gab. Wir hatten also drei Alternativen, die wir kurz gegeneinander abwägten: 1. Einen Zeltplatz im ca. 50km entfernten Campobasso suchen; 2. Sofort wild campen; 3. An der Adria in der Nähe von Termoli zelten.
Da die Stimmung gut und wir alle munter waren, ging es ab Richtung Adria. Zuvor genehmigten wir uns noch ein paar Tafeln Schokolade und hofften insgeheim, das alles glatt laufen würde. Nach unseren Schätzungen sollten wir gegen 22.30Uhr in Termoli sein. Allerdings überraschte uns unterwegs der Regen, so daß wir höllisch aufpassen mußten. Dennoch erreichten wir die Adria im Rahmen unserer Schätzungen. Nun stellte sich allerdings das Problem des Zeltplatzes. In Termoli war weit und breit kein Hinweisschild. Daher entschlossen wir uns, die Adriaküste Richtung Norden entlang zu düsen, bis wir einen, der auf der Karte markierten Zeltplätze, erreichen würden. Nachdem etwa fünf der angesteuerten Zeltplätze geschlossen waren, entschieden wir uns gegen 23.30Uhr kurzerhand wild am Strand zu campen. Das war irgendwie das Highlight des Urlaubs und wir waren wirklich glücklich, als endlich die Zelte standen und alles so glatt verlaufen war. Andreas, Ecke und Frank badeten vor dem Essen noch so im Meer, wie der liebe Gott sie erschaffen hatte, während sich Markus um selbiges kümmerte.

14. Tag: 26.09.03, Vasto (nördlich von Termoli) - Silvi Marina, 90km

Wir wurden durch das Rauschen des Meeres geweckt - wunderbar. Es war erneut ein schöner Morgen, wenngleich etwas windig und daher relativ kühl. Andreas konnte das natürlich nicht davon abhalten, gleich nochmal in die Fluten zu springen. Während des Frühstücks beschlossen wir, nur ein kurzes Stück zu fahren, uns einen Campingplatz am Meer zu suchen, an der Adriaküste zu relaxen und letztmals in diesem Urlaub unsere Klamotten zu waschen. Kurz vor dem Abflug hatten wir noch ein wenig Smalltalk mit netten Österreichern, die sich für das Woher und Wohin interessierten.
Wir fuhren die Küstenstraße, die SS16, entlang Richtung Norden. In der Nähe von Pescara ließen wir uns kurze Zeit später erneut nieder. Frank düste später nochmal nach Pescara zurück, um endlich das leidige Thema Hinterradreifen abzuhaken. Bei dieser Aktion mußte auch gleich noch sein Vorderradreifen dran glauben. Einen entsprechenden Händler hatten wir kurze Zeit zuvor per Zufall entdeckt.
In Pescara selbst lieferten sich Andreas und Markus mit einer schönen Italienerin auf ihrer Japanerin (Suzuki SV 650) mehrere Ampelduelle hintereinander. Ecke und Frank grinsten sich nur an und ließen die beiden gewähren. Irgendwann bog das Fräulein dann links ab, nachdem sie sich freundlich von den beiden verabschiedete.
Während der Zubereitung der Mittagsmahlzeit passierte endlich das Mißgeschick, auf das wir alle wahrscheinlich irgendwie gewartet hatten. Plötzlich lagen die Nudeln nicht mehr im Topf, sondern auf dem Campingplatz. Da für jeden reichlich Alternativen vorhanden waren, hakten wir die Sache schnell ab.
Der Nachmittag stand im Zeichen des Badens und des Schraubens. Andreas reparierte den Überlauf der Kühlflüssigkeit an seiner Tiger provisorisch, Markus seine Tachobeleuchtung und sein Windschild und Frank wechselte endlich die Glühlampe seines Frontscheinwerfers, die ihm Andreas tagszuvor besorgt hatte. Ecke ging jedem freundlich zur Hand, da an seinem Motorrad nichts zu tun war.
Am Abend gab es dann eine Brotzeit, während der wir trotz des stehenden Gewässers, das sich auf dem Campingplatz befand, von Mücken weitgehend verschont blieben.

15. Tag: 27.09.03, Silvi Marina - Siena, 380km

Wir brachen gegen 9.45Uhr vom Zeltplatz mit dem Ziel auf, Siena in der Toskana zu erreichen. Umbrien, das wir an diesem Tage durchquerten, steht landschaftlich anderen schönen Gegenden Italiens in nichts nach und hat zudem Straßen in hervorragendem Zustand. Das Fahren machte uns sichtlich Spaß, ebenso wie der Vielzahl weiterer Motorradfahrer, die an diesem Samstag unterwegs waren.
In der Nähe von Norica, südöstlich von Perugia, machten wir vor einer grandiosen Bergkulisse Mittag.
Aufgrund der noch zurückzulegenden Entfernung, ließen wir Assisi rechts liegen und begnügten uns mit ein paar Aufnahmen des Hauptklosters des Franziskanerordens aus der Ferne.
Am frühen Abend erreichten wir Siena, wo wir, wegen der ausgezeichneten Beschilderung, sehr schnell einen Campingplatz fanden. Am Abend gab es Nudeln mit Tomatensoße und wie üblich Rotwein.

16. Tag: 28.09.03, Siena - Gardasee, 400km

Der Morgen war ziemlich wolkenverhangen, ganz im Gegensatz zu den bisherigen in diesem Urlaub. Das besserte sich auch nicht bis gegen 10.15Uhr als wir den Zeltplatz Richtung San Gimignano verließen. In der Stadt der Türme legten wir ein kurzen Zwischenstop ein, um eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Städte der Toskana zu besichtigen. Nach der etwa einstündigen Besichtigung ging es dann weiter Richtung Norden.
Während unserer Siesta an einem Weingut bekamen wir von deren Besitzerin freundlicherweise zwei Flaschen Chianti geschenkt, die wir uns abends, bei Nudeln mit Tomatensoße, zu Gemüte führten.
Zwischen Pistoia und Modena hatten wir wieder ein saugeiles 70km langes Kurvengewitter. Wir ließen auf dieser Strecke unseren innersten Motorradtrieben freien Lauf. Als wir kurz vor Modena die Motorräder zum zweiten Male an diesem Tage betankten, stand allen noch ein breites Grinsen im Gesicht. Zwischenzeitlich hatte es ein wenig genieselt, aber zu diesem Zeitpunkt lagen die Filetstücke der Strecke bereits hinter uns.
In Anbetracht der Tatsache, daß wir noch zum Gardasee wollten, mußten wir uns nun sputen. Es war bereits 18.00Uhr und wir hatten noch ca. 150km vor uns. Das sahen wir aber relativ entspannt, da die vor uns liegende Strecke größtenteils Autobahn war und sich laut Karte Campingplätze zuhauf am Gardasee befanden. Für die Benutzung der Autobahn zahlte jeder 5.20€, was absolut in Ordnung ging.
Nach dem Verlassen der A22 in der Nähe von Garda kehrten wir noch bei Mc Donalds ein, um unseren Hunger zu stillen. Mittlerweile war es auch bereits 20.30Uhr und dementsprechend dunkel. Ein guter Zeltplatz war anschließend schnell gefunden, so daß wir gemeinsam mit einem bereits hackedichten Motorradfahrer aus dem Siegerland eine Flasche des geschenkten Chianti leerten.

17. Tag: 29.09.03, Gardasee - Campitello di Fassa (Dolomiten), 240km

Diesen nebligen Morgen haben Andreas und Frank mit einem erfrischenden Bad im Gardasee begonnen. Das allmorgendliche Prozedere war ansonsten reine Routine. Mit fortschreitender Zeit klarrte es weiter auf und es wurde erneut ein wunderschöner Tag.
Wir wählten die Bergstraßen Richtung Norden, abseits der Hauptverkehrsrouten entlang des Gardasees. Die Motorradkarten versprachen viel und wir wurden nicht enttäuscht.
In der Nähe von Brentonico blockierte dann aber eine Herde von Rindviechern (auf vier Beinen) die Straße, so daß wir uns in Geduld üben mußten. Wir blieben in respektvollem Abstand. Dennoch war Frank die Sache nicht ganz geheuer, irgendwie verständlich bei rotem Motorrad und roter Jacke. Kurze Zeit später war dann die Straße wieder frei und wir bliesen erneut zur Attacke.
Nach dem Mittags-Picknick in der Nähe von Trento düsten wir weiter Richtung Bozen. Eigentlich wollten wir den Ötzi sehen, das Museum hatte aber ausgerechnet am Montag geschlossen, so daß wir gleich weiter Richtung Cortina d' Ampezzo fuhren. Wir wählten die Große Dolomitenstraße als Route, die zunächst durch das herrliche Eggental führte. Die Strecke war erneut extrem kurvenreich, aber sehr gut zu fahren. Wenngleich uns unterwegs ein idiotischer Autofahrer aus Deutschland mit seinem Diesel-Passat ein wenig ärgerte, den wir aber dann doch eiskalt "verhungern" ließen.
Interessant war auch das Wendemanöver eines Lkw, der hinter einer scharfen Rechtskurve kurzerhand mal die ganze Straße für sich vereinnahmte. Wir beobachteten das Treiben sehr genau, da wir sowieso gerade rechts ran gefahren waren, um wärmere Kleidung anzuziehen. Für Motorradfahrer kann so eine dümmliche Aktion böse Folgen haben. Kurze Zeit später saßen wir wieder auf den Motorrädern und hatten das Gesehene verdrängt.
Im Fassa-Tal, auf ca. 1500m schlugen wir schließlich unsere Zelte auf. Die Nachtemperaturen waren entsprechend kalt, wir hatten wahrscheinlich nahe 0°C. Dennoch bereiteten wir routiniert die Nudeln mit Tomatensoße zu. Der Verzehr artete aufgrund der Temperaturen allerdings in ein "Wettessen" aus. Wir wechselten anfangs kein Wort und weil das ganze irgendwie absolut lachhaft war, taten wir das kurze Zeit später auch aus vollem Leibe.
Den Abend ließen wir dann im Aufenthaltsraum ausklingen, wo die Temperaturen doch deutlich erträglicher waren. Die Nacht empfanden wir dann doch nicht so kalt, vielleicht lag es aber auch nur an der guten Vorbereitung. Ecke hatte z.B. ein Isolierfolie aus dem Erste-Hilfe-Set hervorgezaubert, die hervorragend ihren Dienst verrichtete.

18. Tag: 30.09.03, Campitello di Fassa (Dolomiten) - Zell am See, 260km

Der Morgen war ziemlich kalt und nebelig und in Anbetracht dieser Tatsachen verzögerte sich unsere Abfahrt bis 10.45Uhr. Alles lief ein wenig langsamer ab als sonst.
Unsere Strecke führte diesmal über das Sellajoch, Grödner Joch, Passo di Campolongo, Col di Lana, Passo die Falzagaro und die Groglockner-Hochalpenstraße zum Zeller See - erneut grandios.
Mittag machten wir in einer Pizzeria, die wir am Straßenrand entdeckten. Das wir zuvor bereits mehrfach vor verschlossenen Türen standen, erwies sich als echter Glücksfall. Die Pizzas waren riesig, super lecker und preiswert. Wir plauderten während des Essens noch ein wenig mit einem Motorradfahrer aus Franken. Er berichtete über Griechenland, das er gemeinsam mit seinem Kumpel gerade bereist hatte.
Nach dem Essen ging es dann weiter Richtung Großglockner-Hochalpenstraße. Am Großglockner schien es nachts zuvor geschneit zu haben, da links und rechts der Straße am Hochtour auf etwa 2500m frischer Schnee, wenn auch nur wenige Zentimeter hoch, lag. Irgendwie waren wir im Angesicht des höchsten Berges Österreichs überglücklich auch diesen Giganten "mitgenommen" zu haben. Allerdings fanden wir den Preis für die Benutzung der Hochalpen-Straße, immerhin 17€, sehr hoch.
Unsere Zelte schlugen wir am Zeller See auf, wobei Andreas und Markus mit einer Schönheit flirteten, die des Weges kam. Den Abend verbrachten wir im Aufenthaltsraum. Während der Brotzeit schauten wir nach Wochen erstmals wieder deutsche Nachrichten. Anschließend klärten wir noch kurz die nächste Etappe ab und beschlossen, nicht über die Tschechei zu fahren, sondern ein wenig Süddeutschland zu erkunden.

19. Tag: 01.10.03, Zell am See - Dresden, 620km

Der Morgen sah wettertechnisch recht viel versprechend aus, dabei hatten wir insbesondere im Hinterkopf, daß es lt. Wetterbericht in Deutschland spätestens übermorgen regnen sollte.
Gegen 10.15Uhr bepackten wir letztmalig in diesem Urlaub die Motorräder, was wir selbst aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht wußten.
Da das Fahren doch recht entspannt war und abgesehen von einem tieffliegenden Fasan niemand unsere Bahn kreuzte, kamen wir weit schneller voran als ursprünglich gedacht. So stellte sich am Nachmittag die Alternative direkt bis Dresden durchzuziehen. Insbesondere aufgrund der Wetterprognosen und vielleicht auch wegen ein klitzeklein wenig Heimweh, setzen wir diese Variante in die Tat um. Ab Weiden (A93) war dann also Autobahnheizen im Formationsflug angesagt. An der Abfahrt Zwickau-Ost kehrten wir bei Mc Donalds ein und ließen den Urlaub nochmal Revue passieren. Der Kassensturz ergab schließlich, daß jeder bereits erwähnte Summe von 258.18€ für Zelten und Verpflegung ausgegeben hatte, echt günstig dachten wir uns.
Anschließend ging es dann weiter Richtung Dresden, wo wir gegen 21.00Uhr eintrafen. Wir hatten alle ein sehr gutes Gefühl, vor allem deshalb, weil wir die Tour ohne größere Blessuren überstanden hatten.




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