Anmerkung: die Fotos können alle durch Klick vergrößert werden
Los ging es früh am Morgen mit dem Einpacken. Das Zeug mußte alles mit, da ja
meine "Trixie" gerne als Packesel missbraucht wird.
Wir wollten Zelten, also mußte das gesamte Campingzeugs natürlich mit (in der dicken Rolle). Die Triumphkoffer
mit den restlichen Habseeligkeiten gefüllt, hätte da schon gelangt, wenn da nicht noch die Verpflegung gewesen wäre.
Auch auf das Nötigste beschränkt (Kaffee, Brot und Salami) nahm vor allem das Kochzeugs noch Platz weg.
Kurz darauf beim Zweiten im Bunde: Ecke mit seiner DR 650. Auch die DR mußte ganz schön buckeln, Ecke
war für das Werkzeug verantwortlich.
Kurz nach 10 Uhr gings dann in Dresden los. Dabei war der Himmel schon bewölkt und es sah verdammt nach Regen aus.
Auf der Autobahn der erste kurze Stop. Hier ist auch mal der Großkatzenliebhaber Andreas zu sehen (also ich :-). Man bemerke die in der Seitenansicht verschwindende Gepäckmenge. Beide Motorräder in Schwarz - dazu die passende Kombi... wo bleiben die Motorradmädels :-)
In Stuttgard kommt Frank mit seiner roten GS 850 dazu. Am nächsten Tag sagt der Wetterbericht Unwetter für Norditalien und Östereich voraus. Kurzentschlossen wird die Reiseroute geändert - auf dem Weg in die Schweiz dann dieses
bezeichnende Foto: düsterer Himmel, aus dem es dann den ganzen Nachmittag giessen sollte. Trotzdem genießen wir die Fahrt durch den Schwarzwald. Total durchnäßt (also Handschuhe, Stiefel und Kragen - der Rest noch trocken) kommen wir am Abend in Biel am See an. Dort gibt es glücklicherweise
eine Jugendherberge, in der wir uns zumindest etwas trocknen können.
Am 3. Tag dann die ersten herrlichen Strecken. Kleine Nebenstraßen mit engen Kurven (siehe Foto in der Mitte) und kaum
Verkehr - der Himmel ist zwar noch grau, aber es regnet nicht mehr. Ziel des Tages ist Aoste in Italien. Zum Nachmittag klart es auf und wir haben endlich wieder Sonne. Die noch feuchten Sachen sind bald trockengefahren und wir wagen uns auf die ersten Pässe.
Fast oben. Der Anfang der Paßstraße zum Großen Bernard (Col du Grand-Saint-Bernard). Oben war's noch tüchtig kalt und
der geringe Luftdruck machte dem einzigen Zylinder der DR zu schaffen. Also kein Gipfelfoto, sondern gleich weiter nach Aoste und dort bei herrlicher Abendsonne das Zelt aufgeschlagen.
Das schöne Wetter bleibt uns treu und so sind wir bald am Mont Blanc Massiv. Wir fahren natürlich nicht durch den Tunnel sondern über den kleinen Bernard-Paß (Col du Petit-Saint-Bernard). Leider sind in dieser Gegend sehr viel Touristen unterwegs und auch die üblichen LKW-Trosse. Nach elendem langen Hinterherzuckeln neigt man mehr und mehr zu riskanten
Überholmanövern - gut, daß wir bald wieder auf den Paßstraßen allein sind.
Und dann endlich - der Punkt, an dem wir die Supersportler stehen lassen... was als schmale asphaltierte Straße beginnt, wird nach etlichen Kilometern zur Schotterpiste. Der Col de la Finestre lohnt sich auch für Anfänger unter den Offroad-Enduristen (also keine Angst, ich bin da auch hochgekommen :-).
Ecke ist mit seiner leichten DR natürlich unaufhaltbar vorneweg, aber meine Trixie schlägt sich wacker und bleibt ihm auf den Fersen.
Nervenkitzel ist schon dabei - Rinnen bis 10 cm tief und lose Steine mit ähnlichem Durchmesser - dazwischen nackter Fels... nach 3 bis 4 Kilometern hat man dann das Handling raus und traut sich auch mal in den 3. Gang zu schalten.
Bei schnellerer Fahrt geht die Katze über die Geröllpiste, als wäre sie nur dafür gebaut. Im nachhinein war ich noch dankbar, daß ich die Federvorspannung nicht zu hart eingestellt hatte.
Jedenfalls hatte Ecke nach der ersten Zwischenetappe lediglich einen kleinen Vorsprung. Nur auf die GS mußten wir warten. Die sonst bei der Kurvenhatz so flink davonflitzende, sorgte bei Ecke und mir für ein paar entspannte Minuten. (siehe auf dem Foto der kleine rote Punkt rechts... da kommt sie gerade angerollt).
So wie es auf der einen Seite nach oben ging, so führte die Pisten auf der anderen Seite wieder hinunter. Nach gut einer Stunde hatten wir diesen Paß (mit einer alten Festung oben) dann auch bezwungen.
Dann ein weiterer Höhepunkt des Tages - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die Anfahrt auf den Col de la Bonette, den höchsten befestigten Paß Europas (wenn man den Schildern glauben darf). Jedenfalls ist die Gegend in der Höhe schon tüchtig karg und man muß sich mitunter ganz schön festhalten. Der Wind ist trotz der Sonne ganz schön kalt und böig.
Ganz oben das obligatorische Gipfelbezwingerfoto.Um uns her massig Motorradfahrer - fast schon ein offizielles Treffen da oben. Zumeist BWM vertreten, aber auch eine Bonneville und Sprint ST. Leider keine weiteren Tigerbesitzer auf der Höhe. Zum Unverständnis der meisten Motorradfahrer tauchen alle paar Minuten abgehetzte Radfahrer in Rennbekleidung auf und wollen sich vor der Infotafel fotografieren lassen. Dumm nur, daß sie einen bergauf- und bergab immer mal ausbremsen.
Runterzu ist es wichtig, NICHT hinter GoldWings oder Choppern zu starten. Zum einen ist das Tempo selbst für Radfahrer zu langsam und zum anderen ließ das bei unserem GoldWing-Fahrerexemplar gut ausgeprägte EGO nicht zu, uns an einer übersichtlichen Stelle vorbeizulassen. Also verfiel man wieder in den in den Alpen so ausgeprägten Aberglauben: "es kommt bestimmt nichts, wenn ich in dieser Kurve überhole" und man lernt das Bremsverhalten in plötzlich auftauchenden Spitzkehren kennen :-)
(selbst mit voller Beladung ist die Bremse bei meiner Tiger schön giftig. Allerdings auch die Hinderbremse, wobei man dann bei "Uups, da wirds eng"-Bremsungen schnell mal hinten wegrutscht)
Nach den Alpenpässen gings dann direkt zur Côte d'Azur. In Monaco und Monte Carlo das Nachtleben anschauen, teilweise auf der Rennstrecke langfahren und teures Geld für den Zeltplatz bezahlen passt alles in einen Tag.Später dann weiter nach Nizza, wobei der Strandpromenaden-Dauer-Stau uns schnell die Flucht ergreifen ließ. Im Hinterland, ca. 30 km von der Küste weg findet man dann echt tolle und preiswerte Zeltplätze. Zwei Tage hängen wir dort ab und düsen tagsüber ohne Gepäck an den Strand zum Baden.
Endlich, nach zwei Tagen in der Sonne braten geht's dann wieder weg von der Küste zur Gorge du Verdun. Schon die Einfahrt in die Schlucht sieht vielversprechend aus - und die Strecke ist es dann auch.
Das Scenario lohnt sich ungemein. Man hat allerdings keine Chance, das irgendwie in einem Foto einzufangen. Ich hab's trotzdem versucht und so kann man wenigstens nochmal die vollbepackten Kisten bestaunen :-)
Hier mal der Versuch, die mitunter gut 900 Meter steil abfallende Schlucht auf ein Foto zu bannen. Selbst anschauen ist Pflicht!
Kurz vor Marsailles fahren wir wieder an die Küste. Fast 1 1/2 Wochen sind um und wir wollen endlich wieder Baden. Die "Calanques" (kleine Felsbuchten) kannte ich noch vom letzten Urlaub. Jedenfalls sind diese echt zu empfehlen. Kristalklares Wasser, absolute Ruhe und ein tolles Scenario zum Schnorcheln. Eine Unbequemlichkeit muß man allerdings in Kauf nehmen.
Von den Parkplätzen (von Cassis aus zu erreichen) braucht man ca. 30 Minuten, um an die erste Badebucht zu kommen. Die nächste, noch weiter abgelegene Bucht erreicht man nach gut einer Stunde Wanderung. Das hält aber die ganzen faulen Massentouristen ab und man hat dort nicht die sonst an der Küste üblichen Platzängste.
Der ursprüngliche Plan sah einen Trip nach Andorra oder gar bis Barzelona vor. Die Strecke schien dann aber doch nicht so toll zu sein, und so wurde kurzentschlossen das nächste Schiff nach Korsika bestiegen.
Die Motorräder wurden in Reih und Glied aufgebockt und dabei von sehr rücksichtslosen Fährmännern durch irgendwelche Stahlbügel gehalten. Falls jemand in eine ähnliche Situation kommen sollte - auf jeden Fall das Verzurren selbst erledigen. Bevor ich eingreifen konnte und ein T-Shirt zwischenlegen konnte (Matten oder Polster gab's keine), hatte ich schon die ersten Lackschäden an meiner Kiste.
Von Marsailles morgens losgefahren waren wir dann am Nachmittag in Ajaccio.
Dann auf Korsika wurde am nächsten Tag erstmal "das kleine Inselchen" erforscht. Auf der Südseite (Richtung Bonnifacio) gab's herrliche Straßen mit Schräglagengarantie. Langgezogene 60-80 km/h Kurven, die zumindest in Linkskurven gut einsichtig sind: perfekt also, um Schräglage zu testen, bis die Fußraste kratzt. Das ist dann zwar insgesamt nur 2 mal passiert, aber bei der Schräglage, die dafür notwendig ist, war ich dann schon ganz schön mit Adrenalin durchströmt :-).
Zwischendurch galt es auch mal vorsichtig zu fahren. Allerlei Viehzeugs treibt sich auf Korsikas Straßen rum. So auch die vielberühmten (und bei Motorradfahrern berüchtigten) wilden Hausschweine.
Auf Korsika selbst haben wir auf einem Zeltplatz Station gemacht und sind ohne großes Gepäck durch die Gegend gedüst. Kleine Anmerkung noch zu Zeltplätzen auf Korsika. Abends - so gegen 9-11 Uhr - wird man da von kleinen Mücken (fast wie die Mitches in Schottland) über heimgesucht. Also am besten erst ganz spät zum Zelt zurückkehren, oder das Essen vorher erledigen und derweil hinter mückendichten Zeltwänden verschwinden.
Hier zeigt sich mal wieder die Bewunderung, die eine Tiger auch bei Hausschweinen hervorruft. Begeistert schnüffelte es am Reifen und zeigte durch beherztes "vor das fahrende Motorrad stürzen" ein reges Interesse, doch noch mitgenommen zu werden.
Endlich mal ein Eukalyptusbaum in Europa. Nach meinem letzten Trip nach Australien (siehe Hut auf dem Foto) hatte ich die Teile schon etwas vermisst. Nicht schlecht hab ich dann über diese riesigen Bäume am Wegesrand mit dem unverkennbaren Aroma gestaunt (gerade weil nach einem Regen die ganze Gegend danach duftet). Ursprünglich waren die wohl wegen der Mücken eingeführt worden, um diese halt wenigstens von der Nordwest-Seite fern zu halten.
Eigentlich sollte die Rückfahrt ja schon nach 3 Tagen stattfinden, wir wollten lieber noch etwas durch die Alpen düsen.
Dann aber mußten wir mit Schrecken feststellen, dass das ganze Wochenende keine Schiffe mehr frei waren. Also wurde unser Ausflug nach Korsika unfreiwillig um 3 Tage verlängert (die wir dann aber mit Baden und "kreuz-und-quer über die Insel fahren" ganz schnell rumgekriegt haben).
Dabei haben wir auch zweimal versucht, nach Bastia zu kommen: Beide Male hat uns ein übelstes Unwetter aber eines besseren belehrt.
Die Rückfahrt nach Marsailles haben wir dann nachts gemacht und diesmal waren die Motorräder auch besser verzurrt.
Zurück auf dem Festland gings dann schnurstracks nach Hause - also nach Norden in Richtung Lyon. Es gab noch ein paar schöne Strecken durch die Berge, aber wegen Zeitmangel sind wir nur noch Bundesstraßen gefahren.Abends haben wir in der Nähe von "La Tour du Pin" einen kleinen Zeltplatz gefunden, der allerdings eine ziemlich hügelige Einfahrt mit Schlaglöchern und rutschigem Gras hatte. In einem Anfall plötzlicher Kühnheit ist mir das Gas ausgerutscht und ich lag da - nix passiert, das Gras und der darunter befindliche Schlamm haben alles abgepuffert, aber immerhin hat es gereicht, etwas Öl in den Zylinder zu drücken.
Nach dem Aufrichten und ca. 5 Minuten im Standgas laufen lassen, hörte es wieder auf zu qualmen und ich dachte, die Sache wäre erledigt.
Am nächsten Morgen dann der Schreck. Nur 500m vom Zeltplatz hab ich das erste Mal richtig Gas gegeben und Frank (der gerade letzter war) ordentlich eingenebelt. Also, das gute Stück abgestellt und den Fehler gesucht. Im Luftfilterkasten war eine dünne Spur Öl zu sehen (Frank hält das Teil gerade in der Hand).
Tja, der Luftfilter war dann wieder sauber und der Motor schnurrte im Standgas, dass es eine Freude war. Und dennoch, sobald ich ihn über 4000 Umdrehungen gejagt habe - blauer Qualm. Der hinzugerufene Mechaniker (ADAC sei Dank) konnte dann auch nur noch seine Ratlosigkeit in die Runde werfen und so wurde meine Gutste dann mit dem Abschleppwagen zur nächsten Werkstatt befördert.Dort angekommen war der Mechaniker dann so nett, dem ADAC zu versichern, dass eine Reparatur "nur von einer Triumph-Vertragswerkstatt, und am besten einer in Deutschland" durchzuführen sei. Tja, Glück wiedermal, mit einem englischen Motorrad in Frankreich unterwegs zu sein: der ADAC hat mir das gute Stück dann ohne Diskussion und weitere Kosten (Plus Mitgliedschaft) nach Haus gebracht.
Damit ich auch irgendwie nach Hause komme, wurde mir ein Renault Mégane (nagelneu) gegeben... ist aber im Vergleich zu meiner Trixie nur ein magerer Ersatz gewesen. Der einzige Vorteil war, dass ich schon in knapp 20 Stunden zu Hause war.
Und dann endlich, nach knapp 2 Wochen, war sie wieder da. Zuerst bei meiner Werkstatt, die erstmal genauso in die Wäsche geschaut haben und dann vorsichtig die Vermutung geäußert haben, dass das Motorrad vielleicht ja gar nicht kaputt sei. Naja, die Erklärung war dann ziemlich einfach: beim Umfallen ist etwas Öl in den Zylinder gelaufen, durchgedrückt worden und hat sich im Katalysator verteilt. Bei höheren Temperaturen und Drücken hat's dann das Öl vergast und hinten als blauen Qualm rausgeblasen.
Tja, so hatte ich sie dann wieder und war um eine Erfahrung reicher (die mich glücklicherweise nur 90 Euro insgesamt gekostet hat).
Abschließende Empfehlung: unbedingt mal so eine Tour machen...